
Welchen Nutzen hat ein digitaler Zwilling eines Bestandsgebäudes für Städte und Gemeinden? Lohnt sich die Erstellung eines digitalen Abbilds? Inwiefern kann Building Information Modeling (BIM) den Aufwand für das Gebäudemanagement in Kommunen senken und am Ende den technischen Gebäudedienst entlasten? – Mit diesen Fragen beschäftigten sich Ende November das BIM-Cluster NRW e. V., die Architektenkammer NRW und das NRW-Bauministerium.
Konkret ging es um die Frage, welche Chancen sich mit BIM für Städte und Gemeinden zur nachhaltigen Bewirtschaftung von Schulen, Sporthallen, Rathäusern und anderen kommunalen Gebäuden eröffnen. Gut 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die in Architektur- und Planungsbüros sowie in städtischen Bauämtern tätig sind, waren zu der Fachtagung gekommen, um eine neue Positionierung zu erörtern: Während bei der modellbasierten Arbeitsmethode häufig vor allem die Vorteile für das Planen und Errichten neuer Objekte diskutiert werden, sollte die Veranstaltung in Düsseldorf jetzt den Fokus auf die Bewirtschaftung von Bestandsgebäuden lenken.
Sicht der Landesregierung: „BIM is WIN“
BIM bewege die Kommunen in NRW, betonte Dr. Niklas Alsen von der Stabsstelle Digitalisierung und innovatives Bauen im Ministerium für Heimat, Kommunales, Bauen und Digitalisierung (MHKBD) Nordrhein-Westfalen. Er referierte über den Sachstand der BIM-Einführung aus der Sicht der Landesregierung und analysierte u. a. die Ergebnisse einer Online-Umfrage unter NRW-Kommunen: „Rund 20 Prozent nutzen BIM bereits in der Planung. Und deutlich mehr äußern Interesse, sich dem Thema in Zukunft zu widmen“, so Alsen. Dass BIM zukunftsweisend ist, kommuniziere die Landesregierung daher auf ihrer Wissensplattform „BIM is Win“. Speziell werde auch auf Mehrwerte für Kommunen im Bereich Gebäudebetrieb abgehoben. Das Credo: Ein durchgängiger, digitaler Informationsfluss im Betrieb von Gebäuden sorgt für Transparenz, Effizienz und Nachhaltigkeit.
Daten genau definieren
„Nicht so viel BIM wie möglich, sondern so viel wie nötig“, zitierte der Vorsitzende des BIM-Cluster-NRW e.V., Architekt Matthias Pfeifer, einen der wichtigsten Grundsätze für die BIM-Einführung. Pragmatisch und zielorientiert solle der BIM-Einsatz auch im Bestand sein, sagte er. Der Fokus müsse auf der Erfüllung spezifischer Projektanforderungen und -ziele liegen. BIM-Tools und -Methoden sollten dort angewendet werden, wo sie einen klaren Mehrwert bieten. „Eine frühzeitige Definition der benötigen Daten ist daher der Schlüssel zum Erfolg“, so AKNW-Vorstandsmitglied Pfeifer, der Mut zu „mehr Einfachheit“ machte. „Bei BIM im Betrieb geht es weniger um Modelle, sondern mehr um Daten.“
BIM-Beispiel Montessori-Schule
Die richtigen Werkzeuge helfen bei der Gesamtsicht auf und in das Gebäude, das zu jedem Zeitpunkt in Echtzeit beobachtet und verstanden werden kann. Sie liefern eine Möglichkeit, ein Gebäude in der gesamten Betriebsphase bestmöglich auszusteuern und kontinuierlich zu optimieren. Ein Best-Practice-Beispiel hierfür stellte Diana Lang von der Lang & Lang GmbH (Erlangen) vor. Das Dienstleistungsunternehmen hat sich auf Digitalisierung, Facility Management und BIM spezialisiert und in Herzogenaurach einen digitalen Zwilling der dortigen Montessori-Schule erstellt. Das 3D-Modell wurde in einem spielerischen Ansatz und unter Beteiligung der Schülerschaft erstellt. Mithilfe datenbasierter Steuerung wird nun unter anderem der Energieverbrauch des Gebäudes optimiert. Diana Lang hob einen besonderen Nutzen dieses Prozesses hervor: „Digitalisierung wird greifbar. Sie macht Unsichtbares sichtbar.“ Objekte werden benannt und im digitalen Raum abgelegt. Der Effekt: „Das gibt Dingen einen Wert und hilft, auf sie zu achten.“
Start mit kleinen Pilotprojekten?
Konkrete Handlungs- und Digitalisierungs-Empfehlungen für die kommunale Praxis brachte Prof. Anica Meins-Becker von der Bergischen Universität Wuppertal mit, vor allem mit Blick auf eine der zentralen Fragen der Handlungsträger*innen aus den kommunalen Bauverwaltungen und der kommunalen Gebäudewirtschaft: Wie kann eine bedarfsgerechte und zielgerichtete Implementierung von BIM im Gebäudemanagement gelingen? „Starten Sie kleine Pilotprojekte, beziehen Sie relevante Akteurinnen und Akteure mit ein“, empfahl Professorin Meins-Becker, die für das MHKBD zwei Handlungsempfehlungen zur BIM-Strategie und zur BIM-Einführung im Gebäudebetrieb erarbeitet hat. Darin enthalten sind auch Umsetzungshinweise für den Einsatz in der Betriebsphase.
Kompetenzaufbau sei das eine, Mut und Motivation das andere, ergab die abschließende Diskussion zum Thema. Dazu zähle, im Netzwerk weiter Wissen aufzubauen und wechselseitig weiterzugeben. „Die Erwartungen für erste Projekte in der Umsetzung sollten nicht zu hoch angesetzt werden“, so die Leiterin der Stabsstelle Digitalisierung und innovatives Bauen im MHKBD, Architektin Margo Mlotzek. Am Ende helfe BIM im Betrieb kommunaler Gebäude allen Beteiligten dabei, die Objekte besser zu verstehen.
AKNW-Präsident Ernst Uhing rief dazu auf, vorhandene Kompetenzen mehr zu nutzen. „Planerinnen und Planer müssen möglichst früh in Planungsprozesse eingebunden werden – in das, was wir Leistungsphase 0 nennen.“ Ergänzend appellierte AKNW-Vorstandsmitglied Matthias Pfeifer für Rationalisierung. „Es muss bei den Prozessen angesetzt werden. Mehr Optimierung: Digitalisierung macht das möglich!“
09. Dezember 2025 | von Melanie Brans (AKNW)