BIM, Informationssicherheit und KI: Was digitale Prozesse im Bundesbau leisten müssen

Rund 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen am 29. April 2026 im Ausbildungszentrum der Bauindustrie in Oberhausen zusammen. Im Mittelpunkt der gemeinsamen Veranstaltung des Bauindustrieverbands NRW und des BIM-Cluster-NRW e.V. stand eine Frage, die für die Baupraxis immer wichtiger wird: Wie lassen sich digitale Planungs-, Bau- und Betriebsprozesse bei Verteidigungs- und Bundesbauten sicher, praxistauglich und effizient gestalten?

Schon der Blick auf die Infrastruktur der Bundeswehr machte deutlich, um welche Dimensionen es geht. Antje Grande, Referatsleiterin im Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr (BAIUDBw), CISO Infra und Zentrale Ansprechstelle BIM im Geschäftsbereich des Bundesministeriums der Verteidigung, gab einen Einblick in die besonderen Anforderungen beim Planen, Bauen und Betreiben militärischer Infrastruktur. Dabei wurde klar: Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Entscheidend ist, dass digitale Werkzeuge bestehende Verfahren besser unterstützen und konkrete Mehrwerte für die Projektbeteiligten schaffen.

Ein Schwerpunkt lag auf der Informationssicherheit. Denn BIM-Modelle, gemeinsame Projekträume und strukturierte Datenablagen können die Zusammenarbeit erheblich erleichtern. Gleichzeitig entstehen neue Anforderungen an den Umgang mit sensiblen Informationen. Wer darf auf welche Daten zugreifen? Welche Informationen müssen wirklich vorgehalten werden? Wie werden Schutzbedarf, Zuständigkeiten und Kommunikationswege geregelt? Die Diskussion zeigte: Digitale Zusammenarbeit braucht klare Regeln, technische Schutzmaßnahmen und ein gemeinsames Bewusstsein für Risiken.

Einen weiteren Blick auf die praktische Anwendung von BIM im Bundesbau gab Bojana Djakovic-Vrhovec, Referentin bei der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie digitale Methoden Planen, Bauen und Betreiben öffentlicher Gebäude stärker miteinander verbinden können. Gerade im Bundesbau treffen hohe fachliche Anforderungen, komplexe Zuständigkeiten und langfristige Betreiberinteressen aufeinander. BIM kann hier dazu beitragen, Informationen über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes strukturierter verfügbar zu machen und die Zusammenarbeit zwischen den Beteiligten zu verbessern. Damit wurde deutlich: Der Nutzen digitaler Methoden zeigt sich nicht nur in der Planung, sondern auch in der späteren Nutzung und Bewirtschaftung von Gebäuden.

Wie Künstliche Intelligenz die BIM-Methodik unterstützen kann, zeigten Cedric Gadischke und Alexander Schmid von der BWI-Bau GmbH – Institut der Bauwirtschaft. Ihr Vortrag machte deutlich, dass KI bereits heute bei einzelnen Arbeitsschritten helfen kann, etwa bei der Auswertung von Dokumenten, der Aufbereitung von Datengrundlagen oder der Unterstützung von Modellierungsprozessen. Zugleich war die Botschaft realistisch: KI ersetzt keine fachliche Prüfung. Gerade bei sicherheitsrelevanten oder stark regelbasierten Prozessen bleiben nachvollziehbare und überprüfbare Verfahren unverzichtbar.

„BIM, Informationssicherheit und Künstliche Intelligenz dürfen nicht getrennt voneinander betrachtet werden. Gerade bei Verteidigungs- und Bundesbauten geht es darum, digitale Prozesse sicher, praxistauglich und nachvollziehbar zu gestalten. Nur so entstehen echte Mehrwerte für Planung, Bau und Betrieb“, fasste Prof. Beate Wiemann, Hauptgeschäftsführerin des Bauindustrieverbands NRW die Veranstaltung zusammen.

Beim anschließenden Imbiss nutzten die Teilnehmenden die Gelegenheit zum Austausch und zur weiteren Vernetzung. Die Veranstaltung zeigte: BIM bietet großes Potenzial, Prozesse im öffentlichen Bau zu strukturieren, transparenter zu machen und zu beschleunigen. Damit dieses Potenzial in der Praxis ankommt, braucht es belastbare Datenstrukturen, klare Verantwortlichkeiten und ein hohes Maß an Informationssicherheit.