
Attendorn, 28. Mai 2026 – Wie kann BIM dazu beitragen, technische Gebäudeausrüstung und Gebäudeautomation nicht nur besser zu planen, sondern auch im späteren Betrieb wirksam zu nutzen? Mit dieser Frage beschäftigte sich die Kooperationsveranstaltung „BIM, TGA und Gebäudeautomation“ der buildingSMART-Regionalgruppen Rheinland, Rhein-Ruhr und Ostwestfalen-Münsterland gemeinsam mit dem BIM-Cluster-NRW e.V. in der Viega World in Attendorn.
Nach einer kurzen Begrüßung durch Ulrich Zeppenfeldt, Vice-President bei der Viega Gmbh & Co. KG, Gunther Wölfle, Geschäftsführer von buildingSMART Deutschland und Matthias Pfeifer, Vorsitzender des BIM-Cluster-NRW e.V. gaben Ulrich Zeppenfeldt und Klaus Ege, Gründer der Fact GmbH Einblicke in die Entstehung der Viega World. Dabei schilderten sie das Projekt aus Bauherren- und TGA-Perspektive als einen Prozess, in dem Funktionen, Nutzungsanforderungen, Trassen, Energiefragen und Schnittstellen frühzeitig konzeptionell zusammengeführt wurden. Dabei spielte die technische Gebäudeausrüstung von Beginn an eine zentrale Rolle.
Zugleich machten beide deutlich, dass die Arbeit mit digitalen Modellen allein noch keine durchgängig belastbare Datengrundlage für den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes schafft. Vielmehr brauche es klare Strukturen, eindeutige Referenzen und geeignete Prozesse, um Geometrie, Information und Funktion sinnvoll miteinander zu verknüpfen. Gerade für den späteren Betrieb sei entscheidend, dass Informationen konsistent nutzbar bleiben.
Pierre Hayna, Planungsingenieur bei Bähr Ingenieure stellte einen Ansatz vor, der die Gebäudeautomation frühzeitig in die BIM-gestützte TGA-Planung einbindet. Ausgangspunkt ist dabei ein eigenes Raummodell, aus dem sich Informationen zu Gebäude, Geschoss, Raumbereichen und technischen Komponenten ableiten lassen. Ziel ist es, technische Elemente räumlich eindeutig zuzuordnen und diese Informationen auch für Betrieb und Wartung nutzbar zu machen.
Anhand konkreter Beispiele zeigte der Vortrag, wie sich etwa Regelventile oder andere Komponenten einem Raum zuordnen lassen, damit Störungen oder Unterversorgungen im Betrieb schneller nachvollzogen werden können. Gleichzeitig wurde offen benannt, dass bestimmte Arbeitsschritte derzeit noch manuell erfolgen und die Verknüpfung von Daten in der Praxis vielfach noch über einfache Mittel wie Excel-Exporte und Abgleiche hergestellt wird. Der Anspruch sei daher, Prozesse so weit wie möglich zu vereinfachen und zu automatisieren
Nach einer Führung durch die Viega World widmeten sich Sebastian Wieczorek, Leiter BIM-Management und Digitalisierungsstrategien und Dominik Huhn, Niederlassungsleiter Gebäudeautomation, von der ZWP Ingenieur-AG der Frage, wie sich BIM und Gebäudeautomation stärker zusammenführen lassen. Aus ihrer Sicht bestehen hier weiterhin deutliche Brüche zwischen Planung und Betrieb. Zwar seien beide Bereiche etabliert, eine durchgängige Verbindung über den gesamten Lebenszyklus sei jedoch häufig noch nicht erreicht.
Als zentrale Herausforderungen nannten die Referenten fehlende Datenstrategien, sowie begrenzte BIM-Erfahrung bei ausführenden Firmen. Demgegenüber stellten sie die Anforderungen eines modernen Gebäudebetriebs heraus: hohe Verfügbarkeit, effiziente Anlagen, klare Informationsstrukturen, Monitoring, Fehlererkennung und nachvollziehbare Datenflüsse.
Deutlich wurde dabei auch, dass die Diskussion längst über die reine Modellierung hinausgeht. Es gehe zunehmend darum, welche Daten zu welchem Zeitpunkt gebraucht werden, wie sie eindeutig strukturiert werden können und wie sich die Bedürfnisse von Bauherrschaft, Planung und Betrieb frühzeitig zusammenbringen lassen. Die Referenten formulierten das entsprechend zugespitzt: „BIM ohne Gebäudeautomation bleibe unvollständig, Gebäudeautomation ohne BIM sei ineffizient.“
Die Veranstaltung machte deutlich, dass BIM, TGA und Gebäudeautomation nicht getrennt voneinander gedacht werden können, wenn digitale Prozesse im Gebäudesektor wirksam werden sollen. Entscheidend sind nicht nur geeignete Werkzeuge, sondern vor allem abgestimmte Prozesse und die Bereitschaft, den Betrieb schon in frühen Planungsphasen mitzudenken.



